• Carsten Frederik Buchert

Indirekte Kooperationen

Wie Stiftungen ihre Ziele effizient erreichen, indem sie andere zum Handeln aktivieren –

ein Beispiel aus der Felix Burda Stiftung.



Wir wollen, dass die Menschen in Deutschland gesund bleiben. Daher kooperieren wir mit allen Arbeitgebern in Deutschland – aber mit keinem direkt!

So können wir unsere Stiftungsziele erreichen und die Unternehmen in Deutschland auch noch Geld sparen.

Wie das funktioniert? Mit Nutzenargumenten, Arbeitserleichterungen, Anreizen und Beharrlichkeit.

Im Jahr 2001 starb Felix Burda, der Sohn des Verlegers Hubert Burda und seiner ersten Frau Christa Maar, mit 33 Jahren an Darmkrebs. Die nach ihm benannte Stiftung verfolgt seitdem das Ziel, die Anzahl der Neuerkrankungen und Sterbefälle an Darmkrebs drastisch

zu reduzieren. Darmkrebs ist der einzige Krebs, der durch Vorsorge und Früherkennung verhindert bzw. geheilt werden kann. Mithilfe von zwei Präventionsmaßnahmen kann dies auch gelingen: der Darmspiegelung und dem Stuhlbluttest. Letzterer ist geradezu prädestiniert dafür, im betrieblichen Gesundheitsmanagement eine Rolle zu spielen: Er ist klein (Röhrchen für Stuhlprobe), günstig und es bedarf keinerlei medizinischen Wissens im Unternehmen. Der Test wird von den Mitarbeitern zu Hause durchgeführt und an ein externes Labor geschickt, das die Auswertung vornimmt.


Bereits 2002 initiierte die Felix Burda Stiftung die erste betriebliche Darmkrebsvorsorge-Aktion bei Hubert Burda Media. Der Erfolg war überwältigend. Daher schrieb die Stiftung noch im selben Jahr die 200 größten deutschen Unternehmen an, informierte sie über den Nutzen und bat um Nachahmung.

Als hilfreiches Argument erwies sich die Tatsache, dass sich derartige Maßnahmen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht rechnen:

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis liegt bei 1:5, d.h. für jeden heute eingesetzten Euro werden 5 Euro Krankheitskosten in der Zukunft gespart. Unternehmen wie die Allianz Group, Sixt, Henkel und BMW folgten dem Aufruf noch im selben Jahr. Seitdem hat die Stiftung viel dafür getan, den Anreiz für Unternehmen zu erhöhen, den Aufwand zu reduzieren und beides stetig zu kommunizieren. Seit 2004 wird die beste betriebliche Maßnahme mit dem Felix Burda

Award geehrt. 2006 wurde gemeinsam mit der Stiftung LebensBlicke ein Handlungsleitfaden erstellt, der Betriebsärzten, Personalverantwortlichen und Geschäftsführern alle Fragen zur betrieblichen Darmkrebsvorsorge beantwortet. Der Leitfaden steht in bereits dritter Auflage gratis zum Download zur Verfügung.


Auch Studienergebnisse motivieren:

Zuletzt eruierte die Unternehmensberatung Booz & Company im Auftrag der Felix Burda Stiftung die Potenziale betrieblicher Prävention für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Ihr medial sehr wirkungsvolles Ergebnis:

225 Milliarden Euro verliert die deutsche Volkswirtschaft jährlich durch kranke

Arbeitnehmer. Betriebliche Prävention dagegen verzeichnet einen volkswirtschaftlichen

ROI von 1:16. Für Unternehmen wäre es daher geradezu dumm, nicht in die Gesundheitsvorsorge ihrer Mitarbeiter zu investieren. Die betriebliche

Darmkrebsvorsorge gehört heute zum Leistungsangebot aller betriebsmedizinischen Dienste, Millionen von Arbeitnehmern konnten das Angebot bereits kostenfrei

in Anspruch nehmen.


Dieser Erfolg wäre sicher nicht möglich gewesen, hätte die Felix Burda Stiftung ihre Ressourcen in direkten Kooperationen mit einzelnen Unternehmen verbrannt.

Er ist vielmehr das Ergebnis einer Strategie – Anreize zu entwickeln, die andere dazu animieren, selbst etwas zu tun.


Der Beitrag erschien in der StiftungsWelt Ausgabe 02-2016


#stiftungen

#stiftungswelt

#beitrag

#felixburdastiftung

#kooperation

#strategie

#beratung

#stiftungsberatung


buchertberatung

Carsten Frederik Buchert

Böcklhof 9
82054 Sauerlach

 

buchert@buchertberatung.de

0170.210 25 14

Impressum
Datenschutz